Schlacht der Ideen mit Tanz – Musik und Puppenspiel
Nach einer Geschichte von Alberto García Sánchez

Lärm3

 

 

 

Eine Produktion des ENSEMBLE MATERIALTHEATER mit THÉÂTRE OCTOBRE BRÜSSEL & Festival IMAGINALE 2012 Stuttgart / Mannheim & FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart & SKAPPA & Associés Marseille & FIDENA 2012 Bochum

Uraufführung 16. März 2012 IMAGINALE Stuttgart / Mannheim

Nach dem Ende des kalten Krieges steht der Kapitalismus heute als Gewinner da, der es nicht mehr nötig hat, sich ein soziales Mäntelchen umzuhängen. Er hat alle Mittel zu Verfügung, um sich der breiten Bevölkerung als unersetzlich und alternativlos einzuprägen. Trotzdem befindet sich die Mehrheit der Menschen auf der Verliererseite. Doch die Menschheit hört nicht auf, gerechtere Gesellschaftsentwürfe zu entwerfen. Was nicht einfach ist, wenn die Reichweite der Gedanken bestimmt und kontrolliert wird von einer Flut von unwichtigen Informationen und Bildern. Dieser „Lärm“ ist permanent, schrill, verführerisch, telegen und er tut so, als wäre er genauso natürlich wie die Stille.

Das Stück Lärm (Le bruit) wurde 2008 von Alberto García Sánchez geschrieben und ist eine theatralische Reflexion über die politische Vergangenheit und Gegenwart Europas. Das ideologische Ringen um die Vorherrschaft von Kapitalismus oder Kommunismus, das den kalten Krieg geprägt hat, hat er in eine bissige Familientragödie übertragen – gespielt von Narrenfiguren, von Buffons. LÄRM ist eine Parabel über den Kampf zweier Gesellschaftssysteme, Kapitalismus versus Kommunismus.

Kunst ist nicht ein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet.
Karl Marx (1818 – 1883), deutscher Philosoph und Nationalökonom

Die Parabel

Eine Episode aus der griechischen Mythologie dient uns als Folie für das Theaterstück. Europa, verführt und geschwängert von Zeus, gebiert zwei Kinder: eine Tochter, Annabelle und einen Sohn, Archibald. Zwei unterschiedliche Blicke auf eine Mutter – Europa. Zwei konträre Sichtweisen auf das Leben, die Verhältnisse und die menschlichen Beziehungen. Bruder und Schwester werden ohne Gnade einen Krieg der Intrigen beginnen, um die Macht an sich zu reißen. Sie bedienen sich des Tanzes, der Musik. Songs und Puppenspiel werden umgeschrieben, werden zu Waffen in ihrer absurden ‘Kriegsmaschinerie’. In diesen Auseinandersetzungen blitzen die Grausamkeiten und die schillernden Momente unserer jüngeren Historie auf, nicht als Ansammlung von Anekdoten oder historischen Fakten, die Bühnenfiguren entsprechen auch keinen Nationalitäten – es sind vielmehr Narrenfiguren, die uns erlauben mit großer Freiheit auf uns und die Geschichte Europas zu blicken.

In Lärm wird das Groteske ins Dramatische kippen, um sich dann ins Komische zu verwandeln. Schon Shakespeare hat gezeigt, wie gut sich das Spiel der Bouffons mit der Tragödie vereinbaren läßt. Opulente Kostüme, Figuren, die an den mittelalterlichen Karneval oder Hieronymus Bosch erinnern, archaische Holzpuppen, bizarre Vehikel, Schlagzeug, Gitarre, Akkordeon, Trompete und eine Sängerin, die von Jazz, über Pop bis zur Klassik alles beherrscht, ein williger Chor, der sie begleitet und ein schlichtes Holzpodest – Theaterbühne und Exekutionsstätte, sind die Ingredienzen für dieses Narrenfest.