Ein Stück für eine Schauspielerin, einen Fliegenfänger und eine DÜRKOPP 283 (in dt., ital., frz. Fassung)

Elfriede ist Näherin. Sie hat eine professionelle Ausbildung, eine Dürkopp 283 und Nasenbluten. Sie ist eine Fachkraft und näht weiße Bettbezüge, 96 Stück am Tag, mit Doppelnähten, die fürs Leben halten– darauf ist sie stolz. Die Stückzahl, die sie sich als Ziel gesteckt hat, könnte sie auch durchaus erreichen, wären da nicht ihre Schwestern, die sie immer wieder heimsuchen. Ihr Arbeitsplatz wird zum Rummelplatz fremder Geister und Phantasien. Seltsame Wachträume, ein Panoptikum von neurotisch erotischen Wunschträumen Kindheitserinnerungen und Sehnsüchten nach einem Leben, das für sie unerreichbar bleibt. Denn der Akkord gebietet wieder Fleiß und Tugend. Bis zum nächsten Freilauf…

Eine Koproduktion mit dem Theaterhaus Stuttgart. Ausgezeichnet beim Theaterpreis 95 der Stuttgarter Zeitung.

Video: Katharina Wibmer

Theater der Zeit: “Sigrun Kilger bietet als ‚Elfi‘ eine brillante, hochkonzentrierte, phasenweise bis zur Selbstaufgabe reichende Darstellung. Souverän balanciert sie auf dem Grat zwischen Absturz in den Wahnsinn und lebenserhaltendem Witz. Ein reines Frauenteam, neben Sigrun Kilger (Darstellerin), Barbara Meerkötter (Regie), Franziska Rast (Ausstattung) und Katharina Wibmer (Film Projektion) zeichnet sich für diese außergewöhnliche Inszenierung verantwortlich.”

Esslinger Zeitung: “Dass Sigrun Kilger ein komödiantisches Talent hat, steht außer Zweifel, wie die Tatsache, dass ihr mutiges Theaterexperiment mit seinen vielfältigen Anspielungen auf erotische Verdrängungen und Wünsche, auf Glaubens- und Gesellschaftsmanien die gebührende Beachtung finden wird.”

Stuttgarter Zeitung: “Die Weißnäherin ist kein Sozialdrama, Es ist kein möglichst naturalistischer Report über das alltägliche Leben einer Heimarbeiterin. Und dennoch steckt jede Menge Leben darin. Besser jede Menge ungelebtes Leben, ungeliebte Liebe, Witz und Wahn, tragikomisch, unzertrennlich.”

Stuttgarter Nachrichten: “Sigrun Kilger verleiht dieser verrückten Person in allen ihren Facetten Glaubwürdigkeit, amüsiert und irritiert in stetem Wechsel, hält ihr Publikum in Spannung, ohne Elfriede in ihrem ärmlich- altmodischem Faltenrock-Pullover-Outfit je der Lächerlichkeit preiszugeben.”

Volker Trauth Deutschland Radio Berlin, Mai 2003: “Hervorragende Arbeit, wo wirkliche Schauspielkunst eine Synthese eingeht mit der Dingwelt. Das Spiel der Hände, die Sprache des Körpers, die Sprache des Mundes, die Mimik des Gesichts hat Eigenwert, kontrapunktiert, begleitet und steigert die Verlebendigung der Dinge. Eine Spitzenleistung.”