Ein poethischer Zukunftsunterricht mit Geschichten, Songs und wundersam lebendigen Gegenständen!

„100jährige Dinge erzählen“ – konzipiert als Klassenzimmer- und Theaterformat. Alltagsgegenstände, Zeitzeugen der 1920er Jahre zwischen Kaiserreich, Republik und Diktatur, werfen einen Blick auf uns und die heutige Weltlage.

Uraufführung 8. Juli 2026, im Rahmen des Festivals „SommerZeltSpiele 26“, eine Kooperation von Ensemble Materialtheater & Theater der Altstadt Stuttgart. Weitere Vorstellungen 9. – 12. Juli 2026

Idee & Umsetzung
Umbruch in Krisenzeiten. Es scheint viele Parallelen zwischen den heutigen 20ern und denen vor hundert Jahren zu geben. Jetzt, wo Zeitzeugen mehr und mehr fehlen, könnten Zeitdinge vielleicht nochmal erinnern. Angenommen, es gäbe ein Verfahren, mit dem sich die Sprache der Dinge übersetzen ließe – was würden uns Gegenstände erzählen, die in den 1920er Jahren hergestellt oder erfunden wurden. Und wie wäre ihre Sicht auf uns heutige Menschen?

Die 1920er Jahre waren geprägt von großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen: in der Weimarer Republik entsteht ein moderner Steuer- und Wohlfahrtsstaat – trotzdem nehmen Armut, Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Spaltung zu.
Die Linke unterstützt die Republik, mit Fokus auf Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit, während die politische Rechte sie ablehnt und zunehmend antisemitisch agiert. Auf den Straßen entstehen die ersten großen Protestbewegungen: Antikolonialismus, Antimilitarismus, Antiimperialismus. Und Frauen dürfen seit kurzem das aktive und passive Wahlrecht ausüben. Gleichzeitig lebt die individuelle Freiheit auf – zumindest für diejenigen, die es sich leisten können. Die 1920er Jahre waren auch eine Zeit großer Erfindungen, die den Alltag erleichtern.

Die Perspektive der Alltagsgegenstände einzunehmen, verspricht eine humorvolle Distanz zu uns Menschen und erlaubt uns ein Gedankenspiel: können wir unsere Verhaltensmuster ändern, statt sie immer zu wiederholen? Populismus, Autokratie, Unter-drückung – muss das alles wieder sein? Wir vermuten, dass die Dinge, uns viel erzählen können über Menschlichkeit und Solidarität – und über diejenigen Mechanismen, die sie verhindern. Freund:innen, Bekannte, Publikum haben uns ihre Speicherfunde angetragen: u.a. kohlebeheizte Bügeleisen, eine Ausgeh-Uniform aus dem Ersten Weltkrieg, eine Produx Rechenmaschine, ein Großküchenmörser mit Stößel, eine Porzellanpfeife mit dem Bildnis eines preußischen Prinzen, zerfledderte Sonnenschirmchen zum Flanieren, die erste Packung Tempo-Taschentücher, das gerade erfundene Leukoplast und natürlich ein Grammophon!

 

Zielgruppe sind Jugendliche und Erwachsene. Anhand des Blicks in die Vergangenheit wollen wir Gedankenbrücken bauen – nicht nur zur heutigen Weltsituation, sondern auch zu positiven Zukunftsvarianten unserer Gesellschaft. Und wir hoffen auf anregende Gesprächsrunden während und nach der Vorstellung! Gleichzeitig wollen wir eine Klassenzimmervariante erarbeiten die wir für den Geschichtsunterricht ab Klasse 9 anbieten. Dabei knüpfen wir an Kontakte zu Schulen und Lehrkräften an, die bereits unser Klassenzimmerformat „König UBU – ungehobelt, eigennützig, populistisch“ eingeladen haben, eine Aufklärungsstunde über das Gift des Populismus.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste e.V.