Frei nach dem besten Buch der Welt

Koproduktion mit dem FITZ! Stuttgart und dem Théâtre Octobre Brüssel

Alles schreit nach Aufbruch – aber der Hintern auf diesem Stuhl wiegt wie Blei! Die Welt gerät aus den Fugen – aber haben wir Einfluss darauf? Ein Spinner, wer sich einmischt, ein Narr, der meint, die Dinge zu durchschauen. „Lasst uns wider besseres Wissen Narren und Spinner sein!“ denken zwei unzeitgemäße Damen und zerren ihre ganz persönlichen Helden, den Idealisten Don Quijote und seinen treuen Knappen Sancho Panza (die Eliten der Weltliteratur!) auf die Bühne, um sie für die Nachwelt zu retten. Weinen und lachen sie mit ihnen und genießen sie die Tiefschläge und Prügel, die die beiden beziehen!

»Don Quijote« ist, vor 400 Jahren geschrieben, seit 2002 offiziell »das beste Buch der Welt« umfasst 1400 Seiten. Aber keine Angst, Sie lernen die Geschichte des idealistischen Ritters von der traurigen Gestalt auch in 100 Minuten kennen. Zwei leicht skurrile Damen geleiten Sie mit Esprit, Finten, Kenntnis und Mut zur Lücke durch eine Welt, in der närrische Einbildung mit Geist, Tollpatschigkeit mit Heldentum, Pragmatismus mit feurigen Ideale auf unterhaltsamste Weise zueinanderfinden.

Trailer “Don Quijote”: https://youtu.be/6_IofWQ_-uI
Trailer “Windmühlen”: https://youtu.be/Jghu9KlntpA

Don Quijote ist der 3. Teil des Theaterzyklus „Heimweh nach der Zukunft“, den das Ensemble Materialtheater 2016 mit den Inszenierungen „Der Friedhof“ und „Kino im Kopf“ begonnen hat. Uraufführung am 9. November 2017  im Rahmen unseres Festival „30 Jahre Ensemble Materialtheater“ im FITZ!Zentrum für Figurentheater Stuttgart.

Presse

Deutsche Bühne: „Was Annette Scheibler und Sigrun Kilger vorführen, ist ein hochartistisches Spiel, das nicht nur ständig zwischen den Ebenen wechselt, sondern auch zwischen verschiedenen Genres. Beide sind zugleich exzellente Komikerinnen und zugleich können sie so ganz nebenbei Figuren wie Dinge animieren. Ein großartiger Abend.“

Esslinger Zeitung: „74 Abenteuer auf fast 1400 Seiten in zwei Stunden. Das ist eine sportliche Leistung. Sigrun Kilger und Annette Scheibler vom Stuttgarter Ensemble Materialtheater schaffen den ebenso unterhaltsamen wie spektakulären Parforceritt quer durch „das beste Buch der Welt“ mit Bravour. Ihre Sichtweise auf Miguel de Cervantes Roman „Don Quijote“ ist poetisch und empathisch und voll hintergründigem Witz. (…) Seit 30 Jahren bringt das Ensemble Materialtheater das große Weltgeschehen in kleinen, atmosphärisch dichten Geschichten auf die Bühne. Dabei wurden künstlerische Landmarken im Figurenspiel gesetzt. Es ist kein Kinderspiel, Erwachsene mit Puppen und Objekten anspruchsvoll zu unterhalten und dabei auch politisch Stellung zu beziehen. Mit großer Imaginationsfähigkeit rücken die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen, dem „Ritter von der traurigen Gestalt“ auf den Leib, der vor mehr als 400 Jahren für ein „goldenes Zeitalter“ kämpfte, für Freundschaft, für Frieden. (…) Magisch wird der Zuschauer hineingezogen in diese karge Landschaft, „die einen kaum träumen lässt“ und durch die Beschreibung von Scheibler und Kilger phantastische Bilder von großer Weite mit Korkeichen und Geiervögeln hervorruft. Wirklichkeit und Traum verschwimmen beim Anblick des meisterhaften Spagats zwischen Realität und Ideal, denn zwei Lesarten sind möglich: Man kann Don Quijote für einen Spinner oder für einen Visionär halten, der trotz Hohn, Spott und Prügel seine Vorstellung einer besseren Welt verwirklichen will. (…) Philosophische Betrachtungen über Irrsinn und Verstand, Leben und Tod, lassen diese „verrückte“, süchtig machende Theaterwelt mit einem dramaturgisch eleganten Schlenker von Regisseur Alberto García Sánchez ganz ruhig ausklingen.“

Stuttgarter Zeitung: Die schlechte Nachricht servieren sie gleich vorab: An einem Theaterabend sei es nicht möglich, den „Don Quijote“ zu erzählen. Die 1400 Seiten des weltberühmten Werks von Miguel de Cervantes könne man nicht so einfach auf die Bühne bringen. „Selbst, wenn wir parallel sprechen, ist es unmöglich.“ Natürlich schaffen es Sigrun Kilger und Annette Scheibler trotzdem, die Abenteuer dieses Ritters der traurigen Gestalt zu vermitteln, denn der Text ist nur das eine. Beim Ensemble Materialtheater erzählen auch die Objekte kleine, feine Geschichten. (…) Seit dreißig Jahren besteht das Stuttgarter Ensemble Materialtheater, es hat sein Jubiläumsfestival im Fitz nun mit einer Premiere eröffnet, die auf amüsante Weise bestätigt, warum das Team so eine wichtige Rolle im Figurentheater spielt – weil sich Einfallsreichtum, Selbstironie und staubtrockener Humor kongenial verbinden. Figuren, Bilder, Musik und Schauspiel berühren und verführen dazu, nicht nur am Gängelband der Ratio durch die Welt zu streifen. Deshalb haben sich Sigrun Kilger und Annette Scheibler den Don Quijote vorgenommen, der „geglaubt hat, was in den Ritterbüchern stand“. Eingekleidet in die Geschichte zweier Schwestern von der Schwäbischen Alb, erzählen die beiden auf Schwäbisch und Schweizerdeutsch die Abenteuer dieses fahrenden Ritters. Der ist eine zerknautschte Puppe, die auf einem alten Folianten reitet, während der kleine Sancho Panza auf einer gerollten Wolldecke durch die Mancha hoppelt. Ein rührendes Duo, das von einer Schlägerei in die nächste gerät und sich von der Wirklichkeit doch nicht beirren lässt. Fantasie ist Trumpf. Gemeinsam mit Ulrike Monecke und Alberto García Sánchez haben Scheibler und Kilger köstliche Ideen und Szenen entwickelt, die sie singend und mit Gitarrenspiel garnieren. Sie prügeln sich pantomimisch, dass die Zähne nur so fliegen. (…) Himmelschreiende Torheit? Mag sein, aber ein wenig Verrücktheit schadet nicht, so die Botschaft dieses gelungenen Festivalauftakts.

Ludwigsburger Kreiszeitung: „(…) Ein Panoptikum dessen, was heute in der Sparte Figurentheater von Bedeutung ist. An vielem hat das Materialtheater im Laufe seines Bestehens auch mitgewirkt, es zur Bühnenreife gebracht. (…) vielfältig ist auch die Geschichte selbst. Vordergründig werden Szenen aus den berühmten Abenteuern des verrückten Ritters nachgespielt, aber sie sind mit einer ganzen Reihe von Kommentaren der beiden Spielerinnen, Rückgriffe auf Cervantes selbst oder auf andere Anspielungen garniert, so dass eine ganze Fülle von Eindrücken, von Aussagen, von Interpretationsmöglichkeiten auf den Zuschauer einstürmen. Und dabei ist es sehr wohl Absicht, dass auch immer wieder Szenen vorkommen, die einfach nur witzig sind, die Lust auf das Lustige und Lustvolle machen. Pralles Spiel also, manchmal höchst humorig und dann wieder fast sentimental berührend. Los ist immer etwas in den gut hundert Minuten dieser Darbietung zwischen Skurrilität und recht tiefsinnigem Theater. Ein meisterhaftes Kaleidoskop des Figurentheaters.“